Das Tederic International Center befindet sich im Bezirk Qiantang in Hangzhou, innerhalb der Wirtschaftlichen und Technologischen Entwicklungszone Hangzhou. Das Projekt vereint Büro-, Hotel-, Gewerbe- und Produktionsfunktionen auf einem einzigen Campus und unterstützt damit den fortlaufenden Wandel des chinesischen Fertigungssektors hin zu einer wertschöpfungsstärkeren und technologiegetriebenen Produktion.
Das für Tederic – einen börsennotierten, weltweit tätigen Hersteller von Spritzguss- und Druckgussmaschinen – entwickelte Projekt schafft einen zentralen Standort für Forschung, Produktion und Unternehmensaktivitäten. Der Campus erstreckt sich über eine Fläche von 33.335 Quadratmetern und verfügt über eine Gesamtbruttogeschossfläche von 75.117 Quadratmetern; er umfasst drei Hauptgebäude sowie eine Smart Factory.
Materialinnovationen
Mehrere Baukomponenten ersetzen herkömmliche Systeme aus Stahl und Beton durch leichte Alternativen – darunter Polycarbonatpaneele sowie Konstruktionen aus Aluminium-Magnesium-Legierungen. Dieser Ansatz reduziert die statischen Lasten und steigert zugleich die Effizienz der Bauausführung.
Die Fassade ist als zweischaliges Vorhangfassadensystem konzipiert, das eine Low-E-Verbundverglasung mit einem außenliegenden Streckmetallgewebe aus Aluminium kombiniert. Die äußere Gewebeschicht dient als Sonnenschutz; dabei gewährleistet sie eine Lichtdurchlässigkeit von etwa 70 Prozent, reduziert Blendwirkungen und begrenzt den solaren Wärmeeintrag.
Polycarbonatplatten kommen sowohl bei Dach- als auch bei Fassadenanwendungen zum Einsatz. Diese Platten enthalten recycelte Anteile, die aus Post-Consumer-Abfällen gewonnen wurden, und verfügen über koextrudierte UV-Schutzschichten, um die Lichtdurchlässigkeit und Materialstabilität langfristig zu gewährleisten. Die Verglasungsstrategie wurde im Rahmen iterativer Tests entwickelt, bei denen mehr als zwölf Konfigurationen evaluiert wurden, um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Tageslichteinfall und Sonnenschutz bei unterschiedlichen Himmelsrichtungen zu erzielen. Das endgültige System passt die Art der Verglasung an die jeweilige Fassadenausrichtung an und trägt so zu einer durchgängig hohen Umweltleistung auf dem gesamten Campus bei.
Campus- und Raumstrategie
Das Projekt integriert Produktions- und publikumsorientierte Funktionen in einen durchgängigen Campusrahmen. Büro-, Gewerbe- und Gastronomiebereiche sind entlang der Fabrik angeordnet; dies ermöglicht betriebliche Effizienz und schafft zugleich eine gewisse Durchlässigkeit zwischen den typischerweise voneinander getrennten industriellen und urbanen Umgebungen.
Gebäudehülle und Architektursystem
Die architektonische Formensprache wird durch ein modulares, vorgefertigtes Vorhangfassadensystem definiert, das aus Aluminiumprofilen besteht. Diese elementierte Fassade steigert die Effizienz des Bauprozesses und reduziert den Abfall auf der Baustelle, während sie gleichzeitig eine konstant hohe Leistungsfähigkeit der Gebäudehülle gewährleistet.
In die Fassade sind zu öffnende Fensterelemente integriert, die eine natürliche Belüftung der Bürobereiche ermöglichen; dies verbessert die Raumluftqualität und verringert die Abhängigkeit von mechanischen Lüftungssystemen. Das auf die Industrie ausgerichtete Wirtschaftsentwicklungsgebiet wird nachts als eher dunkel beschrieben. Basierend auf dem Konzept der „Stadtlampe“ (City Lamp) führt der Entwurf eine warme Beleuchtung ein, die die Fabrikgebäude zu sichtbaren Elementen im nächtlichen Umfeld des Areals macht und zugleich die Wege durch das Gelände erhellt.
Der Entwurf führt einen eigenständigen, expressiven Ansatz für Industriebauten ein und lotet das ästhetische sowie funktionale Potenzial von Polycarbonatpaneelen aus. Er verleiht der Fabrik innerhalb ihres städtischen Kontexts eine klare Identität.
Architektonische Formensprache
Der High-Tech-Designansatz stärkt die Identität sowohl der Gemeinschaft für technologische Innovation als auch des Fertigungsprofils des Bauherrn. Klare Linien bilden eine schlichte Silhouette, die standardisierte geometrische Einheiten sowie den Einsatz moderner Materialien betont und so ein Gefühl von Leichtigkeit und Ordnung vermittelt. Die zweischaligen Vorhangfassaden und die nach außen auskragenden Flügel erzeugen durch das Wechselspiel zwischen Masse und Leere eine Schichtwirkung, die die visuelle Tiefe und das Gefühl von Bewegung verstärkt.
Die Vorhangfassade ist ein wesentlicher Bestandteil der thermischen Leistungsfähigkeit eines Gebäudes; da sie für etwa 40 Prozent des gesamten Energieverbrauchs verantwortlich ist, spielt sie eine entscheidende Rolle bei der Erreichung von Energieeffizienz. Das zweischalige Fassadensystem basiert auf vorgefertigten Aluminiumprofileinheiten, was die Bauzeit verkürzt und die Effizienz steigert.
Schattierungsebene
Nach einer vergleichenden Untersuchung von Lochblechen, Gewebemaschen und Streckmetall aus Aluminium wurde das kosteneffizientere Streckmetall aus Aluminium als Schattierungsebene ausgewählt. Dieses Material bewahrt die Lichtdurchlässigkeit, reduziert gleichzeitig die Oberflächenreflexion, minimiert Blendwirkungen und verbessert den visuellen Komfort. Zudem fördert seine Struktur die Luftzirkulation und unterstützt somit die ökologische Leistungsfähigkeit des Gebäudes.
Die Kombination aus reflektierenden Rückwandpaneelen und Glas verdeckt Brandschutzsysteme sowie tragende Bauteile innerhalb der Shadow Box und erzeugt so einen geschichteten Effekt. Dieser Ansatz wahrt die Transparenz und die visuelle Einheitlichkeit der Fassade.
Darüber hinaus wurden in den Gebäudeflügeln öffenbare Fenster integriert, um die natürliche Belüftung und den Raumkomfort zu unterstützen. Durch eine Modifikation des herkömmlichen Öffnungsmechanismus bietet jedes raumhohe Glaspaneel eine vergrößerte lichte Öffnungsbreite, was weitreichendere Ausblicke ermöglicht, ohne die Funktionalität einzuschränken.
Intelligente Fabrik
Die Fabrik basiert auf einem dreieckigen Dachstuhlsystem mit optimierten Verbindungsstellen, wodurch der Stahlverbrauch um ca. 20 Prozent reduziert wird. Die Konstruktion integriert Tageslichtnutzung und Klimatisierungsstrategien.
Das Dach kombiniert Polycarbonatplatten mit Aluminium-Magnesium-Mangan-Wellblechen und ineinandergreifenden Bauteilen und bietet so ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Stabilität und Wärmedämmung. Die lichtdurchlässigen Polycarbonatelemente lassen Tageslicht tief in die Produktionsräume eindringen und reduzieren so den Bedarf an künstlicher Beleuchtung.
Vorgefertigte Bauteile und kundenspezifische Verbindungssysteme wurden durch Simulation und Tests entwickelt, um die Montagegenauigkeit, Langlebigkeit und Beständigkeit gegenüber Umwelteinflüssen zu verbessern.
Überblick über Nachhaltigkeit
Die Gebäudeausrichtung wurde anhand einer Sonneneinstrahlungsanalyse optimiert, um den Tageslichteinfall in den Hauptfassaden zu maximieren und den Bedarf an künstlicher Beleuchtung zu reduzieren.
Das Werk verfügt über ein zweilagiges, belüftetes Dach, das natürliche Konvektion ermöglicht: Warme Luft steigt durch die obere Schicht auf, während kühlere Luft von unten nachströmt und so für eine passive Belüftung der Produktionsräume sorgt. Die Büroräume sind mit öffenbaren Fenstern ausgestattet, die die Querlüftung und die Raumluftqualität verbessern.
Der Campus integriert ein dreistufiges Landschaftssystem mit Gründächern, ebenerdigen Bepflanzungen und einem versenkten Gartenplatz. Der versenkte Garten bringt Tageslicht und Luft in die Tiefgarage und reduziert gleichzeitig die Wärmeentwicklung am Boden. Das vom Dach gesammelte Regenwasser wird aufbereitet und auf dem Campus für Brauchwasserzwecke wiederverwendet.