Unmittelbar vor den Toren Gents haben BEEL Architecten und Modulo Architects die VIB-Zentrale samt Bio-Inkubator fertiggestellt. Der achtgeschossige Campus erfüllt eine Doppelfunktion: In den unteren Ebenen befinden sich Labor- und Büroflächen von insgesamt 6.000 Quadratmetern für Biotech-Start-ups, während die beiden obersten Geschosse die neue Zentrale des VIB (Flämisches Institut für Biotechnologie) mit Arbeitsplätzen für 110 Mitarbeitende beherbergen. Die beiden Nutzungsbereiche sind klar voneinander getrennt; diese Differenzierung spiegelt sich sowohl in der Fassadengestaltung als auch in der Gebäudekubatur wider. Das Gebäude wurde nach dem BREEAM-Standard mit der Stufe „Very Good“ zertifiziert, wobei es im Bereich Energie die Bewertung „Excellent“ erzielte.
Äußere Gestaltung und Baukörper
Das Gebäude liegt parallel zur stark befahrenen belgischen Autobahn E40 am Eingang des Wissenschaftsparks und ist als vertikale Schirmwand konzipiert, die sowohl als Landmarke als auch als Puffer für den dahinterliegenden Park fungiert. Die Südfassade prägt die Identität des Gebäudes: Die Ebenen für Start-ups (Incubator) sind als strenges Raster gestaltet, über dem die Büroetagen des VIB auskragen. Die mit eloxiertem Aluminium verkleidete, scharfkantige Konstruktion erzeugt eine markante Silhouette, die von den Architekten als „Periskop“ beschrieben wird.
Durch diesen Versatz der Gebäudemassen entstehen in den oberen Geschossen zwei große Terrassen; sie lassen Tageslicht tief in die Büroflächen fallen und bieten zugleich geschützte Außenbereiche mit weitem Blick über den Campus. Die Ost- und Westfassaden sind bewusst geschlossen gehalten, um die vertikale Präsenz des Gebäudes entlang der Autobahn zu unterstreichen. Die direkt zur E40 ausgerichtete Nordfassade ist mit einer transparenten Membran versehen, hinter der die verbreiterte Erschließungszone und die Gemeinschaftsbereiche für den vorbeifahrenden Verkehr sichtbar sind. Netze für Kletterpflanzen überspannen diesen Fassadenabschnitt; sie sind so ausgelegt, dass die Pflanzen im Laufe der Zeit eine Fläche von rund 400 Quadratmetern des Gebäudes begrünen werden.
Die Fassade ist größtenteils mit speziell angefertigten, goldfarbenen Keramikfliesen verkleidet, die im Rahmen eines hinterlüfteten Fassadensystems von Porcelanosa montiert wurden. Farbe und Form wurden im Hinblick auf Langlebigkeit und Wartungsfreundlichkeit gewählt und setzen einen bewussten Kontrast zum traditionellen roten Backstein der umliegenden Gebäude.
Innenraumgestaltung und Grundriss
Im Inneren sind die 22 Labormodule entlang eines Tageslichtgefälles angeordnet: Büros an der Außenfassade, Labore in einem mittleren Ring sowie Lager- und Nebenräume ohne Tageslichtbedarf im Gebäudekern. Die Module lassen sich miteinander verbinden oder voneinander trennen, sodass Unternehmen bei wachsendem Platzbedarf auf derselben Etage horizontal expandieren können. Im vierten Obergeschoss bringen zwei Innenhofgärten mit einer Gesamtfläche von 200 Quadratmetern Licht und Grün in das Herz des Gebäudes: Der eine ist als Terrasse zur Entspannung gestaltet, der andere dient als informeller Ort für Besprechungen und Präsentationen. Die interaktive Fassade, die sich über die gesamte Höhe der zur Schnellstraße hin orientierten Seite erstreckt, fungiert als verbindendes Element – als eine „programmierte“ soziale Ebene, die zufällige Begegnungen zwischen den Mietern fördern soll. Dies ist entscheidend für das Ziel des Projekts, sich zu einem Zentrum für Kreativität und Innovation zu entwickeln.
Nachhaltige Maßnahmen
Das Gebäude wurde mit dem Ziel eines CO₂-neutralen Betriebs konzipiert; sämtliche technischen Entscheidungen basieren auf diesem Anspruch. Es kommen keinerlei fossile Brennstoffe zum Einsatz: Heizung, Kühlung und Stromversorgung werden durch vor Ort erzeugte erneuerbare Energie sowie Wärmepumpentechnologie betrieben. Von Dachflächen, Terrassen, Gärten und begrünten Fassaden gesammeltes Regenwasser speist die Toilettenanlagen und senkt so den Gesamtverbrauch an Leitungswasser. Zudem tragen diese Grünflächen dazu bei, den Effekt der städtischen Wärmeinsel zu verringern. Im Erdgeschoss fördern spezielle Fahrradstellplätze sowie eine direkte Shuttlebus-Verbindung zum Bahnhof Gent-Sint-Pieters eine nachhaltigere Anreise. Dank dieser Maßnahmen erhielt das Projekt eine BREEAM-Zertifizierung: „Very Good“ in der Gesamtbewertung und „Excellent“ im Bereich Energie.